Über Bibliothek - Geschichte der Universitätsbibliothek

DruckversionPDF-Version

Geschichte der Universitätsbibliothek Wrocław

„Die Geschichte der gegenwärtigen Universitätsbibliothek in Wrocław begann an den ersten Maitagen 1945, als eine Gruppe Wissenschaftler geleitet von Prof. Stanisław Kulczyński in der Stadt angekommen war” so schrieb im Jahre 1968 Bronisław Kocowski [1]. Die Spitzengruppe dieser Wissenschaftler, deren Aufgabe die Bildung einer neuen Bibliothek war, fand ihren Sitz in den während des Krieges wenig zerstörten Räumen der ehemaligen Stadtbibliothek und der erste Direktor der Bibliothek wurde Dr. Antoni Knot einer der Mitglieder der erwähnten Gruppe.[2]

Gegenwärtig ist die Bibliothek an mehreren Stellen untergebracht. Die wichtigste Stelle für die breite Benutzermenge befindet sich in der Karol Szajnocha-Strasse 7/9. Es ist ein pseudogotisches Gebäude aus roten Ziegelsteinen – das sog. „Redigeranum”, wo sich auβer dem Hauptlesesaal auch die Kataloge, Informations- und Leihstellen wie auch das Hauptmagazin befinden. Das nebenan unter Nr.10 liegende Gebäude stammt aus dem Jahr 1785 wo früher eine Bank untergebracht war. Dieses Gebäude wurde den Bedürfnissen der Bibliothek angepasst und heute befinden sich hier die meisten Arbeitsräume solcher Abteilungen wie Erwerbung und Erschließung wie auch die Direktion und Verwaltung.

Die Sondersammlungen waren sich in der św.Jadwiga-Str.3/4 in dem Gebäude des früheren Augustinerklosters („auf dem
Sande”), wo bis ins Jahr 1945 die vorkriegszeitliche Staats- und Universitätsbibliothek wirkte [3]. Nach dem wiederaufbau in den Jahren 1956 – 1959 wurde dieses Gebäude für die Aufbewahrung der alten Drucke, Manuskripte, Graphiken, kartografischen Bestände, Musikalien, und die Schlesisch-Lausitzer Sammlung und die bibliologischen Sammlung. Hier befinden sich auch Lesesaal der Sondersammlungen wie auch Restaurierungswerkstatt der Sondersammlungen und Reprografie- und Digitalisierung-Werkstatt.

Obwohl der Kern der von Grund auf neu gegründeten polnischen Universitätsbibliothek auf dem Gelände der durch den Krieg verschonten ehemaligen Stadtbibliothek lokalisiert wurde, ist er aus sehr verschiedenartigen Sammlungen zusammengestellt worden. Diese Sammlungen gehörten nicht nur zu den früheren Breslauer Bibliotheken, die während des Krieges Teilweise aus der Stadt geräumt wurden aber auch zu Bibliotheken aus ganz Niederschlesien.

Den Beständen der neuen Universitätsbibliothek wurden die Bestände zweier vorkriegszeitlichen Breslauer Bibliotheken u. zw. der ehemaligen Stadtbibliothek und der ehemaligen Staats- und Universitätsbibliothek einverleibt. Die zum großen Teil erhaltenen Bestände der ehemaligen Stadtbibliothek (352 350 Bände) [4] bildeten eine wesentliche Sammlung, die der Universitätsbibliothek am 8.Juni.1946 als Eigentum übertragen wurde.[5] Als zweite Büchergruppe wird der durch den Krieg verschonte Teil der Bestände der früheren Staats- und Universitätsbibliothek erwähnt. Ein Teil dieser Büchersammlung verbrannte zusammen mit ihrem auf der Sandinsel stehendem Gebäude, ein zweiter Teil dieser Sammlung, in die St.Anna-Kirche evakuiert, verbrannte am 11.und 12.Mai.1954, doch dieser Teil, der während des Krieges aus der Stadt gebracht wurde, konnte in den Jahre 1945 und 1946 zurück gewonnen werden – und so blieben davon 211 917 Bände unversehrt.[6]

Zu dem Bestand der neu gegründeten Bibliothek wurden auch kleinere unvollständige Sammlungen einverleibt wie z.B. die Piasten-Bibliothek aus Brieg und die des Herzogs Georg Rudolf aus Liegnitz, die Bibliothek des Jesuiten-Gymnasiums in Glatz, Bruchstücke der Milich-Bibliothek aus Görlitz, Sammlungen der Bibliothek der St. Peter und Paul-Kirche in Liegnitz, der Zisterziensernonnen aus Trebnitz und eine Gruppe von sichergestellten Sammlungen aus den verschiedensten verlassenen und fragmentarisch erhaltenen schlesischen Provinzialbibliotheken.

Die neu eröffnete Bibliothek wurde auch ab 1945 durch Neuerwerbungen vor allem polnischer Veröffentlichungen bereichert. Diese Erwerbungen wurden gemäβ dem festgelegten universalen Sammelprofil durchgeführt und das war wiederum ein Resultat des Charakters der Bibliothek als Hochschulbibliothek wie auch ihrer Rolle in der Region als Bibliothek, die sich u. a. in dem Sammeln des vor allem Schlesien betreffenden Schrifttums spezialisiert.

Die gegenwärtige Universitätsbibliothek ist, was den historischen Teil ihrer Bestände betrifft, der Nachfolgerin des nicht nur mit der Region verbundenen kulturellen Erbes. Gleichzeitig mit der Eröffnung der Kaiser Leopold–Universität im Jahre 1702 ist auch der Anfang der Bibliothekstätigkeit verbunden. Zu den Beständen dieser Bibliothek gehörten die ältesten Sammlungen bezeichnet als Bibliotheca Vetus wie auch eine Sammlung, die aus dem Vermächtnis des Bischofs Karl Franz Neander stammt. Im Jahre 1811 nach der Zusammenfügung der Breslauer Leopoldina und der Frankfurter Viadrina wurden diese Sammlungen ein Teilbestand der an der damaligen Universität neu gegründeten Bibliothek, die in einem Gebäude auf der Sandinsel lokalisiert war. Dieses Gebäude wurde im 18. Jh. für den schon seit dem 12. Jh. tätigen Orden der Regularkanonicis des Hl.Augustinus errichtet. Ein Jahr nach der 1810 von der preußischen Herrschaft durchgeführten Säkularisation der Klöster, also im Jahre 1811 wurde das erwähnte Gebäude für eine Zentralbibliothek bestimmt, die auf Grund der Bibliotheksbestände der säkularisierten Klöster entstanden ist. Die Absicht eine zentrale Bibliothek zu gründen wurde jedoch nur zum Teil realisiert und ihre Bestände haben die Büchersammlungen der 1811 vereinigten Bibliotheken der Frankfurter Universität Viadrina und der Breslauer Jesuiten-Universität der sog. Leopoldina bereichert. Seit 1815 wird diese Bibliothek Königliche und Universitätsbibliothek genannt. In den Jahren 1872 – 1886 war ihr Direktor Karl Dziatzko – der Verfasser der 1886 herausgegebenen Regeln der alphabetischen Katalogisierung, die zur Vereinheitlichung der Bibliothekskataloge dienen sollten.

Die Bestände der in den Jahren 1865 – 1867 gegründeten ehemaligen Stadtbibliothek entstanden durch Vereinigung dreier Breslauer Bibliotheken. Die erste war die Bibliothek des Breslauer Patrizier – Thomas Rehdiger († 1576), der seine Sammlung der Stadt testamentarisch vermachte. Diese wurde eine gewisse Zeit in der St. Elisabeth-Kirche aufbewahrt und erst 1661 zur öffentlichen Benutzung überwiesen. Die zweite Büchersammlung war die der Kirchenbibliothek zu St. Maria – Magdalena. Ihr Ansatzteil war ein Büchervermächtnis des 1547 verstorbenen Johann Heβ. Der dritte Teil der früheren Stadtbibliothek bildete die Kirchenbibliothek zu St. Bernhardin, deren Anfänge die Historiker auf das Jahr 1502 schätzen.[7]

Der bestimmte Charakter der Bestände der ehemaligen Stadtbibliothek resultiert aus den bisher gesammelten Materialien und aus der kontinuierlichen Erwerbung humanistischer Bestände. Diese Sammlungen - nur teilweise während des letzten Krieges vernichtet – stellen samt den erhaltenen Katalogen noch heute ein wichtiges Dokument des Breslauer Kulturlebens dar.
 


[1] Vgl. B. Kocowski, Biblioteka Uniwersytecka we Wrocławiu [Universitätsbibliothek in Wrocław]. Wrocław 1968

[2] Vgl. St. Nawara, Zarys dziejów Biblioteki Uniwersyteckiej we Wrocławiu 1945-1955 [Abriβ der Geschichte der Universitätsbibliothek in Wrocław 1945-1955]. Wrocław 1955. ( Am Anfang schreibt der Autor: „Diese Skizze ist eine auf zahlreichen Quellen und eigenen Erfahrungen gestützte erste Probe chronikalischer Ordnung der 10-jährigen Entwicklung der Universitätsbibliothek in Wrocław...”; hier finden wir u.a. Informationen über die ersten Aufenthaltstage der 27 Mann zählende Gruppe, die am 24.April.1945 in Kraków organisiert wurde und Einzelheiten über die Rettungsmaβnahmen betreffend die brennenden Häuser und Bücher.)

[3] K. Maleczyńska, Dzieje gmachu Biblioteki Uniwersyteckiej we Wrocławiu na wyspie Piaskowej [Geschichte des Gebäudes der Universitätsbibliothek in Wrocław auf der Sandinsel]. Wrocław 1960 (die Publikation enthält eine Literaturzusammenstellung betreffend dieses Gebäude bis zum Jahr 1945).

[4] Vgl. J.Ożóg, Zarys historii Biblioteki Uniwersyteckiej we Wrocławiu [ Abriβ der Geschichte der Universitätsbibliothek in Wrocław]. Wrocław 1995 S.79

[5] Vgl. St. Nawara, op.cit. S.26

[6] Vgl. J.Ożóg, op.cit S.81

[7] Vgl. B. Kocowski, op.cit. S. 30-38  

Seitenanfang

Alle Bemerkungen zu unserer Seite können Sie uns über das Formular senden.